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Für das deutsche Publikum dürften Ilia II. und die Orthodoxie an sich weniger im Mittelpunkt stehen als etwas, das in Europa fast völlig verschwunden ist: die Existenz einer allgemein anerkannten moralischen Autorität. In Deutschland haben wir Parteien, Medien, Kirchen und Verbände – aber es gibt wohl kaum noch eine Persönlichkeit, die über alle politischen Lager hinweg Vertrauen genießt. In Georgien war Ilia II. genau das: nicht einfach nur ein Patriarch, sondern eine der letzten Instanzen, die in einem zutiefst polarisierten Land noch als gemeinsames Fundament wahrgenommen wurde. Eben deshalb ist sein Begräbnis politisch so bezeichnend. Es hat vor Augen geführt, dass nationaler Zusammenhalt nicht allein auf Verfassungen, Wahlen und Talkshows beruht, sondern manchmal eben auch auf Symbolen, Ritualen und einem Sinn für historische Kontinuität. Und genau hier drängt sich uns eine unbequeme Frage auf: Können moderne Gesellschaften wie die deutsche ohne solche vereinenden Integrationsfiguren langfristig überhaupt stabil bleiben? https://t.me/jonasgedanken/189 📣 Abonnieren: Bismarcks Alpträume